Themenwoche Zukunft Alter
In Kooperation mit dem Evangelischen Geriatriezentrum Berlin (EGZB) und 105.5 Spreeradio
Alzheimer oder nur „normal vergesslich“? – Was Gedächtnisambulanzen leisten können
Zur Zeit leiden 1,2 Millionen Menschen in Deutschland an der Alzheimer-Krankheit. Wegen der steigenden Lebenserwartung wird sich die Zahl der Betroffenen in den nächsten Jahrzehnten weiter erhöhen: Bis zum Jahr 2030 rechnet man mit bis zu 2,5 Millionen Erkrankten allein in Deutschland.
Zehnmal so viele Menschen wie vor hundert Jahren sind heute älter als achtzig; viermal so viele älter als 65. Schätzungen zufolge sind 24 Millionen Menschen weltweit von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Laut Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) ist diese Form der Altersdemenz „eines der größten medizinischen Probleme der heutigen Welt“. Doch woran erkennt man die Krankheit? Was sind die frühen Symptome der Alzheimer-Demenz? Wie sollen sich Angehörige verhalten? Rat und Hilfe zur Früherkennung von Hirnleistungsstörungen gibt es inzwischen in einer Reihe von Spezialeinrichtungen, die eine intensive Frühdiagnostik durchführen. Sie heißen Gedächtnissprechstunde, Gedächtnisambulanz oder Memory-Klinik. Auch manche niedergelassenen Ärzte bieten diese Dienstleistung an.
Unsere Gäste:
Dr. Gernot Lämmler
ist leitender Neuropsychologe im Evangelischen Geriatriezentrum Berlin, einer der führenden Einrichtungen für Altersmedizin im Deutschland. Zu seinen Schwerpunkten gehören die Neuropsychologische Diagnostik, insbesondere die Frühdiagnostik der Demenz im Rahmen der Gedächtnissprechstunde, die neuropsychologische Therapie sowie die Angehörigenberatung. Sein wissenschaftliches Interesse erstreckt sich vor allem auf die Frühdiagnostik von Demenzerkrankungen sowie auf Untersuchungen zum Schlaganfall und zur Angehörigenarbeit. Er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsgruppe Geriatrie an der Charité, Mitglied der Gesellschaft für Klinische Neuropsychologie und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der „Zeitschrift für Neuropsychologie“.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Elisabeth Stechl
ist Mitglied der Forschungsgruppe Geriatrie am Evangelischen Geriatriezentrum Berlin. Ein Schwerpunkt ihrer praktischen Tätigkeit als klinische Neuropsychologin im stationären Bereich sowie der Gedächtnisambulanz ist die Demenzdiagnostik und Angehörigenberatung. Die Neuropsychologin gehört außerdem zur Forschungsgruppe Geriatrie am Evangelischen Geriatriezentrum in Berlin. Ihr Forschungsschwerpunkt ist unter anderem das subjektive Krankheitserleben im Frühstadium einer Demenz.
Moderation:
Gabi Becker
ist Moderatorin bei verschiedenen deutschen Privatsendern sowie ausgebildete Schauspielerin und Sängerin. Sie moderiert unter anderem die N24-Nachrichten, die „18:30 – News“ auf Sat.1 sowie Beiträge für das Internetfernsehen „himmelblau.tv“. Außerdem ist sie Sprecherin der Sat.1-Nachrichten, bei Spiegel-TV „Thema“ und „Spezial“ und bei „Vox – Wissenshunger“.
Mehr Informationen zu Alzheimer und Gedächtnsiambulanzen:
Nicht jede Merkstörung ist gleich Alzheimer
Keine Ahnung, wo der Schlüssel ist, obwohl Sie doch immer so ordentlich waren? Und dieser Herr, na, Dings, der nebenan schon seit einem halben Jahr wohnt, dessen Namen können Sie sich einfach nicht merken? Die Tochter sagt ständig: „Das habe ich dir doch jetzt schon zum fünften Mal erzählt!“, und Sie können sich einfach nicht daran erinnern? Und das alles macht Ihnen so zu schaffen, dass Sie sich kaum noch unter die Leute trauen? Nun, vielleicht leiden Sie einfach unter Stress und schlafen schlecht – diese Kombination kann zu erheblichen Konzentrations- und Merkstörungen auch bei jungen und gesunden Menschen führen. Oder ist es doch „etwas Ernstes“?
Warnsignale für Alzheimer und Demenz
Symptome, die auf eine geistige Erkrankung hinweisen, sind vor allem Verschlechterungen der Orientierung und der Merkfähigkeit, die sich erst in letzter Zeit eingestellt haben, und die immer häufiger auftreten. Wer also schon als Zwanzigjähriger einmal im Jahr den Hausschlüssel verloren hat, braucht sich nicht gleich Sorgen zu machen, wenn ihm das als Siebzigjähriger immer noch passiert. Wenn jedoch eine normalerweise sehr praktisch veranlagte Frau plötzlich nicht mehr weiß, wozu man einen Schraubenzieher benutzt, sollte das schon zu denken geben: Das Risiko, an Demenz zu erkranken, beträgt jenseits der sechzig „nur“ ein Prozent, über achtzig aber schon etwa zwanzig Prozent! Auch wer sich in fremder Umgebung, etwa im Urlaub, plötzlich nicht mehr zurechtfindet oder beim Aufsperren der eigenen Haustür nicht mehr weiß, welchen Schlüssel er benutzen soll, für den ist ein „geistiger Check-Up“ anzuraten. Oft zeigen die Untersuchungen, dass man sich grundlos Sorgen gemacht hat. So können beispielsweise auch niedriger Blutdruck oder zuwenig Trinken zu Gedächtnisstörungen führen.
Mit der Gedächtnisambulanz auf Nummer Sicher gehen
Zur Abklärung eignet sich am besten eine spezialisierte Institution wie eine Gedächtnissprechstunde oder Memory-Klinik, wo Angehörige verschiedener Disziplinen zusammenarbeiten, etwa Geriater, Neurologen, Psychiater und Neuropsychologen. Meistens weiß der Hausarzt, wo sich die nächste Spezialeinrichtung befindet, auch die Deutsche Alzheimergesellschaft kann Auskunft geben. Ziel ist die Früherkennung, differentialdiagnostische Abklärung und – im Bedarfsfall – auch die Behandlung von Gedächtnis- und anderen Hirnleistungsstörungen.
Eine typische Gedächtnisambulanz bietet folgende medizinische Leistungen an:
- Neurologische und internistische Diagnostik
- Umfassende neuropsychologische Untersuchung von Gedächtnis und anderen kognitiven Funktionen
- Differenzierung von gutartiger Altersvergesslichkeit und krankhaften Gedächtnisstörungen
- Beratung von Betroffenen und Angehörigen
- Therapieempfehlungen einschließlich medikamentöser Behandlung
- Soweit erforderlich Einleitung weiterer diagnostischerMaßnahmen
- Verlaufsuntersuchungen
Der Ablauf ist für den Patienten ganz einfach: Man meldet sich, meist telefonisch, zur Untersuchung an. Diese dauert in der Regel ein bis zwei Stunden, danach schließt sich häufig noch ein Beratungsgespräch von etwa 30 Minuten an. Sprechen Sie vorher mit Ihrem Hausarzt, ob er Ihnen einen Vorbefund mitgeben will. Selbstverständlich können Sie mit einer Begleitperson kommen. Nach Möglichkeit sollte das jemand aus dem persönlichen Umfeld sein.
Frühe Abklärung ermöglicht es, länger selbstbestimmt zu leben
Die frühe Abklärung lohnt sich: Je früher man sich seiner Demenz stellt, umso länger kann man die Krankheit zurückdrängen und sich bewusst mit dem unvermeidlichen Verlauf auseinandersetzen. Nur wer sich auskennt, kann sich Hilfe holen und sein Leben möglichst lange selbst gestalten.
Bilder: Shutterstock (1), mauritius images (3)













